SIA 416

SIA 416 Flächen und Volumen von Gebäuden

SIA 416

Flächen und Volumen von Gebäuden

Herausgeber

Schweizerischer Ingenieur- und Architektenverein (SIA)

Norm-Nummer

SIA 416:2003

Gültig ab

2003 (Revision der Ausgabe 1992)

Anwendungsbereich

Hochbau, Planungs- und Abrechnungswesen, Immobilienbewertung

Sprache

Deutsch, Französisch, Italienisch

Bezug

SIA-Shop, Zürich (www.sia.ch)

1  Einleitung und Zweck der Norm

Die Schweizer Norm SIA 416 definiert einheitliche Begriffe, Berechnungsmethoden und Darstellungsregeln für Flächen und Volumen von Gebäuden. Sie bildet die Grundlage für eine schweizweit einheitliche Kommunikation zwischen Bauherren, Architekten, Ingenieuren, Behörden und dem Immobilienmarkt.

Die Norm ist verbindlich für alle Planungs- und Abrechnungsarbeiten, die sich auf Flächen- und Volumenangaben beziehen, und dient als Grundlage für weitere Normen wie die SIA 112 (Leistungsmodell) und die SIA 102/103 (Leistungs- und Honorarordnungen).

2  Grundbegriffe

Die SIA 416 unterscheidet systematisch zwischen Geschossflächen, Nutzflächen, Funktionsflächen und Verkehrsflächen sowie zwischen verschiedenen Gebäudevolumen. Die nachfolgende Übersicht fasst die wichtigsten Begriffe zusammen.

2.1  Flächenbegriffe

Die Norm gliedert Gebäudeflächen in einer hierarchischen Struktur:

Abkürzung

Bezeichnung (Deutsch)

Definition (Kurzform)

GF

Geschossfläche

Gesamte Fläche aller Geschosse (inkl. Mauern, Wände)

HNF

Hauptnutzfläche

Unmittelbar nutzbare Flächen (Wohnen, Büro, Produktion …)

NNF

Nebennutzfläche

Ergänzende Räume (Keller, Abstellräume, Technikräume …)

FF

Funktionsfläche

Haustechnik-Flächen, Schächte, Aufzüge, Installationen

VF

Verkehrsfläche

Erschliessung: Treppen, Korridore, Eingangshallen

NF

Nutzfläche

NF = HNF + NNF (ohne FF und VF)

KF

Konstruktionsfläche

Fläche der tragenden und nicht tragenden Bauteile (Wände etc.)

NGF

Netto-Grundrissfläche

NGF = NF + FF + VF (ohne Konstruktion)

GGF

Brutto-Geschossfläche

GGF = NGF + KF = Gesamte Grundrissfläche je Geschoss

GSF

Grundstücksfläche

Gesamte Parzellenfläche

ANF

Anlage-Nutzfläche

Nutzbare Aussenanlagen (Gartenanteile, Terrassen, Parkierung)

Hinweis: Die Bezeichnungen stimmen mit den Begriffen der Kostenplanung (NPK/BKP) und dem Leistungsmodell SIA 112 überein, was die Anwendung in der gesamten Schweizer Planungspraxis erleichtert.

2.2  Volumenbegriffe

Abkürzung

Bezeichnung

Definition (Kurzform)

GV

Gebäudevolumen

Gesamtvolumen des Gebäudes (Brutto, inkl. Hülle)

GRI

Gebäude-Rohbau I

Tragende Struktur ohne Ausbau

GR II

Gebäude-Rohbau II

Rohbau inkl. Gebäudehülle

UV

Untergeschossvolumen

Volumen unterirdischer Geschosse

AV

Aussenvolumen

GV gemessen an Aussenabmessungen

3  Messregeln und Berechnungsgrundsätze

3.1  Allgemeine Messregeln

Die SIA 416 legt für die Flächenermittlung folgende Grundsätze fest:

• Flächen werden in Quadratmetern [m²] ausgewiesen, auf zwei Dezimalstellen gerundet.

• Messungen erfolgen grundsätzlich im Grundriss, in der horizontalen Projektion.

• Massgebend sind die Fertigmasse (Rohbaumasse + Verputz/Belag).

• Alle Öffnungen (Türen, Fenster) werden nicht abgezogen — die Wandfläche gilt durchgehend.

• Stützen und Pfeiler werden zur Konstruktionsfläche (KF) gerechnet.

3.2  Besondere Regelungen

Schräge Decken und Dachgeschosse

Bei Räumen mit geneigter Decke (Dachgeschosse) gelten folgende Anrechnungsregeln:

• Raumhöhe ≥ 2.00 m: volle Anrechnung zur Nutzfläche

• Raumhöhe 1.00 m bis < 2.00 m: 50% Anrechnung

• Raumhöhe < 1.00 m: keine Anrechnung (Konstruktionsfläche)

Kragplatten, Balkone und Terrassen

Auskragende Bauteile werden wie folgt behandelt:

• Gedeckte Balkone/Terrassen (mit Dach über 1.00 m): 100% als ANF angerechnet

• Ungedeckte Balkone und Terrassen: 50% als ANF

• Loggien (in Baukörper integriert): 100% als VF oder HNF

Untergeschosse und Keller

Unterirdische Geschosse werden vollständig in die Flächenberechnung einbezogen, unabhängig von Belichtung und Zugänglichkeit. Ausgenommen sind lediglich nicht begehbare Hohlräume (Kriechkeller < 1.00 m Höhe).

4  Anwendungsbereiche

4.1  Projektplanung und Bauprogramm

In frühen Planungsphasen dient die SIA 416 zur Ermittlung von Kennzahlen, die Vergleiche zwischen Projektalternativen und Referenzobjekten ermöglichen. Typische Kennzahlen sind:

Kennzahl

Formel / Basis

Typischer Einsatz

HNF/GGF

Hauptnutzfläche / Brutto-GF

Effizienz der Grundrissplanung

GV/GGF

Gebäudevolumen / Brutto-GF

Kompaktheit, Energiehülle

Kosten/m² HNF

Baukosten / Hauptnutzfläche

Kostenvergleich Büro/Wohnen

Kosten/m³ GV

Baukosten / Gebäudevolumen

Hochbaukostenindikator

4.2  Honorarberechnung

Die Flächen- und Volumenkennzahlen nach SIA 416 bilden die Bemessungsgrundlage für die Honorarberechnung nach SIA 102 (Architektur), SIA 103 (Bauingenieur) und weiteren Honorarordnungen des SIA.

• Für Architekturhonorare massgebend: in der Regel die Anlagesumme (Gesamtbaukosten nach BKP)

• Flächen nach SIA 416 dienen als Kontrolle und Plausibilisierung der Kostenschätzung

• Bei einfachen Liegenschaftsverträgen wird häufig die NGF oder GGF als Bemessungsbasis vereinbart

4.3  Immobilienbewertung und Mietrecht

Im Schweizer Mietrecht und in der Immobilienbewertung ist die korrekte Anwendung der SIA 416 von zentraler Bedeutung. Die Hauptnutzfläche (HNF) entspricht in der Regel der vermietbaren Nettofläche und bildet die Basis für:

• Mietpreisberechnung und Mietzinsgestaltung

• Ertragswertermittlung bei Renditeobjekten

• Liegenschaftsvergleiche und Marktanalysen

• Raumprogramme für öffentliche Ausschreibungen (SIMAP)

4.4  Baubewilligung und Zonenrecht

Kantonale und kommunale Bauvorschriften (Bau- und Zonenordnungen, BZO) verwenden Flächenbegriffe, die sich an der SIA 416 orientieren, jedoch kantonsspezifisch abweichen können. Insbesondere:

• Anrechenbare Geschossfläche (aGF): kantonal geregelt, häufig auf Basis GGF

• Ausnützungsziffer (AZ) oder Geschossflächenziffer (GFZ): = aGF / GSF

• Grenzabstände, Gebäudehöhen und Volumen nach kantonalem Baugesetz

Hinweis: Die kantonalen Abweichungen von der SIA 416 müssen im Einzelfall geprüft werden. Massgebend ist stets die kommunale Bau- und Zonenordnung.

5  Verhältnis zu anderen Normen und Regelwerken

Norm / Regelwerk

Bezug zur SIA 416

SIA 112 (Leistungsmodell)

Definiert Planungsphasen; SIA 416-Flächen als Projektkenngrössen

SIA 102 / 103 / 108

Honorarordnungen; Baukostenermittlung auf Basis GGF / GV

NPK / BKP

Baukostenplan: Flächenkennzahlen zur Kostenkontrolle

SN 504 416 (ISO 9836)

Europäische Norm; ähnliche Systematik, andere Terminologie

DIN 277 (Deutschland)

Vergleichbare deutsche Norm; abweichende Begriffe (BGF, NGF …)

ÖNORM B 1800 (Österreich)

Österreichische Entsprechung; ähnlich SIA 416 aber eigenständig

IPMS (International)

International Property Measurement Standards; globale Harmonisierung

6  Vergleich mit DIN 277 und ÖNORM B 1800

Die drei Normen SIA 416, DIN 277 (Deutschland) und ÖNORM B 1800 (Österreich) verfolgen denselben Grundansatz, unterscheiden sich aber in Terminologie und Detailregelungen. Für grenzüberschreitende Projekte sind Umrechnungen notwendig.

Begriff SIA 416 (CH)

Annähernd entspricht DIN 277 (DE)

Annähernd ÖNORM B 1800 (AT)

GGF (Brutto-Geschossfläche)

BGF (Brutto-Grundfläche)

BGF (Brutto-Grundfläche)

NGF (Netto-Grundrissfläche)

NGF (Netto-Grundfläche)

NGF (Netto-Grundfläche)

HNF (Hauptnutzfläche)

NUF 1–6 (Nutzungsfläche)

NF (Nutzfläche)

VF (Verkehrsfläche)

VF (Verkehrsfläche)

VF (Verkehrsfläche)

FF (Funktionsfläche)

TF (Technikfläche)

TF (Technikfläche)

KF (Konstruktionsfläche)

KGF (Konstruktions-GF)

KF (Konstruktionsfläche)

GV (Gebäudevolumen)

BRI (Brutto-Rauminhalt)

BRI (Brutto-Rauminhalt)

7  Praktische Hinweise zur Anwendung

7.1  Flächenplan und Dokumentation

Die SIA 416 empfiehlt für die Projektdokumentation folgende Darstellungsweise:

• Flächennachweis je Geschoss in tabellarischer Form

• Farbliche Kennzeichnung der Flächenkategorien im Grundriss (HNF, NNF, FF, VF, KF)

• Summierung über alle Geschosse mit Ausweis der prozentualen Anteile

• Verknüpfung mit dem Raumprogramm und der Baukostenschätzung

7.2  Häufige Fehler und Missverständnisse

In der Praxis treten folgende Fehler häufig auf:

• Verwechslung von NGF (ohne Konstruktion) und GGF (mit Konstruktion) — Differenz ca. 15–25%

• Falsche Zuordnung von Dachterrassen zur HNF statt zur ANF

• Nichtberücksichtigung von Schächten und Liftgruben als FF

• Anwendung von DIN 277-Begriffen in Schweizer Projekten ohne Umrechnung

• Keine Unterscheidung zwischen Rohbaumass und Fertigmass (typische Differenz: 2–4 cm/Wand)

7.3  Digitale Anwendung (BIM)

Im Building Information Modelling (BIM) können Flächen nach SIA 416 automatisiert aus 3D-Modellen extrahiert werden. Voraussetzung ist die korrekte Klassifizierung der Räume und Bauteile nach IFC (Industry Foundation Classes). Die wichtigsten Parameter:

• IfcSpace: Zuweisung zu HNF, NNF, FF oder VF über den Parameter 'OccupancyType' oder benutzerdefinierte Properties

• IfcWall / IfcColumn: Klassifizierung als Konstruktionsfläche (KF)

• Automatischer Bericht: Flächen nach SIA 416 mit Raumstempel und Geschossauswertung

8  Weiterführende Literatur und Quellen

Quelle

Beschreibung

SIA 416:2003 (Originaltext)

Zu beziehen beim SIA-Shop, Zürich — www.sia.ch

SIA Dokumentation D 0165

Erläuterungen und Anwendungsbeispiele zur SIA 416

Camenzind / Dürig

"Baukosten Planen und Steuern", Kostenplanung mit SIA-Bezug

Monika Hall, FHNW

Forschungsberichte zur Flächeneffizienz im Schweizer Wohnungsbau

CRB Normpositionen-Katalog

Verknüpfung NPK mit SIA 416-Flächenbegriffen — www.crb.ch

buildingSMART Switzerland

IFC-Implementierung und BIM-Standards mit SIA-Bezug

Hinweis: Dieser Wiki-Eintrag stellt eine fachliche Zusammenfassung der SIA 416 dar. Er ersetzt nicht die offizielle Norm. Massgebend ist stets der aktuelle Originaltext des SIA. Bei Abweichungen zwischen diesem Eintrag und der Originalnnorm gilt der Originaltext.

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