Genauigkeitsstufen nach Eckstein
Genauigkeitsstufen nach Eckstein Empfehlungen für Baudokumentationen – Bestandsaufmaß | Baudokumentation | Denkmalpflege
Genauigkeitsstufen nach Eckstein
Empfehlungen für Baudokumentationen – Landesdenkmalamt Baden-Württemberg
Bestandsaufmaß | Baudokumentation | Denkmalpflege
Was sind die Genauigkeitsstufen nach Eckstein?
Günter Eckstein vom Landesdenkmalamt Baden-Württemberg definierte in seiner Publikation "Empfehlungen für Baudokumentationen – Bauaufnahme, Bauuntersuchung" (Arbeitsheft 7, Theiss Verlag Stuttgart, 1999) vier Genauigkeitsstufen für das Bestandsaufmaß von Gebäuden. Dieses Stufenmodell ist heute deutschlandweit Standard – sowohl in der Denkmalpflege als auch im allgemeinen Bauwesen.
Die vier Stufen unterscheiden sich in Messgenauigkeit, Maßstab, eingesetzten Methoden und dem jeweiligen Planungszweck. Sie ermöglichen eine klare Abstufung der Aufwandsintensität je nach Projektanforderung.
Die vier Genauigkeitsstufen im Überblick
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Stufe |
Maßstab |
Genauigkeit |
Zweck / Anwendung |
Methode |
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I |
1:100 (1:200) |
Lagegenauigkeit ± 15–20 cm |
Schematische Übersicht; Vorstudie, Vorplanung, Renovierung ohne Eingriff in Bausubstanz |
Maßband, Handaufmaß, einfaches Skizzieren |
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II |
1:50 oder 1:100 |
Messgenauigkeit ± 10 cm bezogen auf Gesamtgebäude |
Annähernd wirklichkeitsgetreues Aufmaß; Grundlage für einfache Sanierung, Orts-/Stadtbildanalysen, vorsorgliche Dokumentation |
Maßband, Tachymeter, einfache Photogrammetrie |
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III |
1:50 |
Darstellungsgenauigkeit ± 2,5 cm |
Verformungsgerechtes Aufmaß; Grundlage für Umbaumaßnahmen, Bauforschung; Schiefwinkligkeiten und Verformungen werden erfasst |
Tachymeter, terrestrisches Laserscanning, Photogrammetrie; 3D-Messnetz zwingend |
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IV |
1:20 oder größer |
Höchste Genauigkeit; nach Projektanforderung |
Verformungsgetreues Aufmaß für komplexe Denkmalobjekte, wissenschaftliche Bauforschung, Restaurierung |
Terrestrisches Laserscanning, hochauflösende Photogrammetrie, geodätisches Messnetz |
Bedeutung für die Planungspraxis
Die Wahl der Genauigkeitsstufe entscheidet maßgeblich über Methodik, Zeitaufwand und Kosten einer Bestandsaufnahme. In der Praxis wird die Stufe gemeinsam mit Auftraggeber und Planer festgelegt – abhängig von:
• Art und Umfang der geplanten Baumaßnahme
• Denkmalschutzstatus des Objekts
• Anforderungen der genehmigenden Behörden (Denkmalamt, Baubehörde)
• Vorhandenen Bestandsunterlagen und deren Aktualität
Im Regelfall gilt: Genauigkeitsstufe II genügt für einfache Sanierungen und Umnutzungen. Ab Stufe III ist ein geodätisches Messnetz und moderne Messtechnik – insbesondere terrestrisches Laserscanning – erforderlich.
Genauigkeitsstufe III & IV – Laserscanning als Standardmethode
Für verformungsgerechte (Stufe III) und verformungsgetreue (Stufe IV) Aufmaße fordert das Eckstein-Modell ein dreidimensionales Vermessungssystem als Grundlage. Das terrestrische Laserscanning (TLS) erfüllt diese Anforderung in idealer Weise:
• Millimetergenaue Punktwolken erfassen das gesamte Bauwerk in seiner tatsächlichen Geometrie
• Schiefwinkligkeiten, Ausbauchungen, Setzungsrisse und Mauerwerksverformungen werden lückenlos dokumentiert
• Grundrisse, Schnitte und Ansichten werden direkt aus der Punktwolke abgeleitet
• Das 3D-Messnetz wird durch Scanregistrierung mit geodätischen Kontrollpunkten gesichert
Linsinger ZT GmbH setzt für Bestandsaufmaße nach Eckstein Stufe III und IV den FARO Focus Laserscanner sowie das NavVis VLX 3 Mobile-Mapping-System ein. Die Auswertung erfolgt in FARO SCENE und AotCAD/BricsCAD.
Normative Verankerung und Referenzen
Die Genauigkeitsstufen nach Eckstein sind in zahlreiche offizielle Regelwerke eingeflossen und werden als Referenzstandard zitiert:
• BFR Verm (Baufachliche Richtlinien Vermessung) – Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Abschnitt 5.6
• BNB Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BMUB/BMVBS) – Kriterium 5.1.6 Bestandsanalyse
• Empfehlungen für Baudokumentationen der Landesdenkmalämter der deutschen Bundesländer
• DIN 1356 (Bauzeichnungen) – ergänzend zu Genauigkeitsanforderungen
Vollständige Quellenangabe: Eckstein, G. und Goer, M. (2003): Empfehlungen für Baudokumentationen – Bauaufnahme, Bauuntersuchung. Arbeitshefte des Landesdenkmalamts Baden-Württemberg, Heft 7. Theiss Verlag, Stuttgart. ISBN 3-8062-1475-1.
Leistungen von Linsinger ZT GmbH
Linsinger ZT GmbH führt Bestandsaufmaße nach allen vier Eckstein-Genauigkeitsstufen durch – von der einfachen Bestandsskizze bis zum wissenschaftlichen Denkmaldokument. Die Stufe wird gemeinsam mit dem Auftraggeber festgelegt und im Auftragsangebot verbindlich vereinbart.
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Unsere Leistungen im Überblick • Bestandsaufmaß nach Stufe I–IV nach Eckstein • Terrestrisches Laserscanning (FARO Focus) für Stufe III & IV • Mobile Mapping (NavVis VLX 3) für großflächige Gebäudekomplexe • Ableitung von Grundrissen, Schnitten, Ansichten und Fassadenplänen • Scan-to-BIM: 3D-Gebäudemodelle in ArchiCAD, BricsCAD und AutoCAD • Bestandsdokumentation für Denkmalbehörden nach Landesvorgaben • Projekte in Österreich, Deutschland, Schweiz und international |
Quellenhinweis
Eckstein, G. / Goer, M. (2003): Empfehlungen für Baudokumentationen. Arbeitsheft 7 des Landesdenkmalamts Baden-Württemberg, Theiss Verlag Stuttgart, ISBN 3-8062-1475-1.