BIM in Deutschland
BIM in Deutschland Building Information Modeling — Grundlagen, Normen & Praxis
3D BIM in Deutschland
Building Information Modeling — Grundlagen, Normen & Praxis
Auf einen Blick
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Begriff |
Building Information Modeling (BIM) |
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Definition |
Digitale Methode zur integrierten Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Bauwerken auf Basis vernetzter 3D-Datenmodelle |
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Relevante Norm (DE) |
VDI 2552 (Blatt 1–9) — BIM-Normenreihe des Vereins Deutscher Ingenieure |
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Internationale Norm |
ISO 19650 (Informationsmanagement über den Lebenszyklus von Bauwerken) |
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Koordination (DE) |
planen-bauen 4.0 GmbH — Gesellschaft zur Koordinierung der BIM-Einführung in Deutschland |
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BIM-Stufenplan (DE) |
Stufenweiser Rollout gemäß Stufenplan Digitales Planen und Bauen (BMVI, 2015 / aktualisiert 2021) |
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BIM-Pflicht (DE) |
Ab 2020 für alle neuen Infrastrukturprojekte des Bundes (Pilotphase ab 2017); Hochbau folgt schrittweise |
Was ist BIM?
Building Information Modeling (BIM) ist eine kooperative Arbeitsmethode, bei der alle am Bauprojekt beteiligten Fachplaner — Architekten, Statiker, Haustechniker, Vermesser — in einem gemeinsamen, digitalen Gebäudemodell zusammenarbeiten. Das Modell enthält nicht nur geometrische Information, sondern auch Sachdaten zu Bauteilen, Materialien, Kosten und Terminen.
Im Unterschied zu klassischen CAD-Plänen entsteht bei BIM ein durchgängig vernetztes Informationsmodell, das über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes — von der Planung über die Ausführung bis zum Betrieb — genutzt und aktualisiert wird.
Deutschland hat mit dem Stufenplan Digitales Planen und Bauen des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) einen klaren Fahrplan für die BIM-Einführung definiert. Seit 2020 ist BIM bei allen Infrastrukturprojekten des Bundes (Straße, Schiene, Wasserstraße) verpflichtend. Der Hochbau des Bundes zieht schrittweise nach.
BIM-Stufenplan Deutschland
Der Stufenplan Digitales Planen und Bauen des BMVI (2015, aktualisiert 2021) definiert den schrittweisen Aufbau der BIM-Kompetenz in Deutschland:
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Phase |
Zeitraum |
Inhalt |
Status |
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Pilotphase |
2015–2017 |
Ausgewählte Pilotprojekte zur Erprobung von BIM in der Praxis |
Abgeschlossen |
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Einführungsphase |
2017–2020 |
Ausweitung auf weitere Bundesinfrastrukturprojekte, Aufbau Kompetenz |
Abgeschlossen |
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BIM-Pflicht Infrastruktur |
Ab 2020 |
Alle neuen Verkehrsinfrastrukturprojekte des Bundes müssen BIM-konform geplant werden |
Aktiv |
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Ausweitung Hochbau |
Ab 2021+ |
Schrittweise Ausweitung auf den Bundesbau und öffentliche Hochbauprojekte |
Laufend |
VDI 2552 — Die zentrale deutsche BIM-Normenreihe
Die VDI-Richtlinie 2552 ist das normative Fundament für BIM in Deutschland. Sie wird vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) herausgegeben und umfasst mehrere Blätter, die unterschiedliche Aspekte des BIM-Einsatzes regeln:
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VDI 2552 Blatt 1 |
Grundlagen — Begriffe und Einführung in BIM |
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VDI 2552 Blatt 2 |
Rollen und Verantwortlichkeiten im BIM-Prozess |
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VDI 2552 Blatt 3 |
Anforderungen an die Datenweitergabe und den Datenaustausch |
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VDI 2552 Blatt 4 |
Datenanforderungen und Datenlieferungen |
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VDI 2552 Blatt 5 |
Datenmanagement und Common Data Environment (CDE) |
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VDI 2552 Blatt 6 |
Geometrische Anforderungen an Modelle |
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VDI 2552 Blatt 8 |
Qualitätssicherung von BIM-Modellen |
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VDI 2552 Blatt 9 |
BIM in der Ausführungsphase |
Die VDI 2552 ist inhaltlich eng an die internationale Norm ISO 19650 angelehnt und ergänzt diese um deutschlandspezifische Anforderungen und Gepflogenheiten — analog zur ÖNORM A 6241 in Österreich und der SIA 2051 in der Schweiz.
BIM-Normen und Standards im Überblick
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VDI 2552 (Blatt 1–9) |
Zentrale deutsche BIM-Normenreihe: Begriffe, Rollen, Datenaustausch, Qualitätssicherung |
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DIN EN ISO 19650-1/-2 |
Internationaler Standard: Informationsmanagement über den BIM-Lebenszyklus |
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IFC (ISO 16739) |
Open BIM-Austauschformat: Industry Foundation Classes, herstellerneutral |
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DIN 276 |
Kosten im Bauwesen — Grundlage für BIM-basierte Kostenschätzung und Kostenplanung |
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DIN 277 |
Grundflächen und Rauminhalte — Verbindliche Messgrundlage für BIM-Flächenauswertungen |
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HOAI |
Honorarordnung für Architekten und Ingenieure — zunehmend mit BIM-Leistungsbildern verknüpft |
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AHO-Heft Nr. 9 |
BIM-Leistungsbilder und Vergütungsstruktur für Planungsbüros in Deutschland |
Detaillierungsgrade: LOD, LOG, LOI
Das Herzstück des BIM-Konzepts sind die Detaillierungsgrade. Sie definieren, wie genau geometrische und alphanumerische Inhalte eines Modells zu einem bestimmten Projektzeitpunkt sein müssen. In Deutschland wird in der Praxis häufig die angloamerikanische LOD-Skala parallel zur VDI-Terminologie verwendet:
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LOD (Level of Detail / Development) |
Kombinierter Detaillierungsgrad (Geometrie + Information) |
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LOG (Level of Geometry) |
Geometrischer Detaillierungsgrad der 3D-Objekte (VDI-Terminologie) |
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LOI (Level of Information) |
Informationsgehalt: Sachdaten, Parameter, Kennwerte (VDI-Terminologie) |
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LOD 100 |
Konzept / Massen (nicht maßstäblich) |
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LOD 200 |
Entwurf mit ungefähren Abmessungen |
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LOD 300 |
Ausführungsplanung, maßgenaue Geometrie |
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LOD 400 |
Fertigungsplanung, inkl. Einbaudetails |
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LOD 500 |
As-Built-Modell: tatsächlicher Bestand — Grundlage für Scan-to-BIM |
Linsinger ZT GmbH liefert Bestandsmodelle (As-Built-BIM) typischerweise auf LOD 300–400, je nach Anforderung des Auftraggebers.
BIM-Rollen und Verantwortlichkeiten
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BIM-Auftraggeber (AG) |
Stellt BIM-Anforderungen im Auftraggeber-Informations-Anforderungen (AIA) fest |
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BIM-Gesamtkoordinator |
Koordiniert das Gesamtmodell, setzt BIM-Abwicklungsplan (BAP) um |
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BIM-Koordinator (Fachplaner) |
Fachplaner-seitige Modellpflege, Kollisionsprüfung und Schnittstellenkoordination |
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Fachmodell-Ersteller |
Architektur, Tragwerk, TGA — je ein Teilmodell im BIM-Verbund |
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Vermesser / Bestandserfassung |
Liefert georeferenzierte As-Built-Grundlagen: Punktwolken, Scan-to-BIM-Modelle |
Der Vermesser übernimmt im BIM-Prozess eine Schlüsselrolle: Ohne präzise Bestandsgrundlage entstehen Fehler in allen nachgelagerten Fachmodellen. Linsinger ZT GmbH liefert georeferenzierte Punktwolken und Scan-to-BIM-Modelle als verlässliche Ausgangsbasis für den gesamten BIM-Workflow.
BIM & Vermessung: Schnittstelle Bestandsaufnahme
Die Verbindung von Laserscanning und BIM ist eine der zentralen Entwicklungen im Bauwesen. Terrestrisches Laserscanning (TLS) und Mobile Mapping (z. B. NavVis VLX) liefern hochgenaue Punktwolken, aus denen BIM-konforme Bestandsmodelle (As-Built-BIM) erstellt werden.
Dieser Prozess wird als Scan-to-BIM bezeichnet und umfasst:
• Geländeaufnahme mit 3D-Scanner (FARO Focus, NavVis VLX 3)
• Registrierung und Bereinigung der Punktwolke (FARO SCENE, PointCab Origins)
• Modellierung im BIM-Authoring-Tool (BricsCAD BIM, ArchiCAD, Revit)
• Ausgabe als IFC-Datei für den weiteren BIM-Workflow
• Georeferenzierung im nationalen Koordinatensystem (ETRS89 / UTM, DHHN2016)
Linsinger ZT GmbH führt Scan-to-BIM-Projekte in unterschiedlichen Maßstäben durch — vom Einfamilienhaus über Industriehallen bis zu denkmalgeschützten Gebäuden, Burgen und Schlössern.
Koordinatensysteme und Georeferenzierung in Deutschland
Für georeferenzierte Bestandsaufnahmen und BIM-Modelle in Deutschland sind folgende Bezugssysteme maßgebend:
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ETRS89 / UTM |
Europäisches Terrestrisches Referenzsystem 1989 — Lagekoordinaten (Standardreferenzsystem der deutschen Landesvermessung) |
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DHHN2016 |
Deutsches Haupthöhennetz 2016 — aktuelles Höhenreferenzsystem für Deutschland (löst DHHN92 ab) |
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NHN (Normalhöhennull) |
Höhenbezugsfläche für NHN-Höhen im DHHN2016 |
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Gauß-Krüger |
Älteres Koordinatensystem (Meridianstreifen), zunehmend durch UTM ersetzt |
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SAPOS |
Satellitenpositionierungsdienst der deutschen Landesvermessung — GNSS-Korrekturdienst für Echtzeitmessungen |
Relevante Dateiformate im BIM-Umfeld
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IFC (.ifc) |
Offenes, herstellerneutrales BIM-Austauschformat (ISO 16739) — Standard für openBIM in Deutschland |
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BCF (.bcf) |
BIM Collaboration Format — für Kommentare und Koordinationsthemen im Modell |
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E57 (.e57) |
Offenes Format für Punktwolkendaten (Laserscanning-Output) |
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LAS / LAZ (.las/.laz) |
Klassisches Punktwolkenformat, LAZ = komprimiert |
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DWG / DXF |
Gängiges CAD-Format; als BIM-Grundlage nur eingeschränkt geeignet |
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RCP / RCS |
Autodesk-Punktwolkenformat (RCP = Projektdatei, RCS = Scansegment) |
BIM-Einsatz bei Linsinger ZT GmbH
Als Ziviltechniker für Vermessungswesen ist Linsinger ZT GmbH an der Schnittstelle zwischen geometrischer Wirklichkeit und digitalem Gebäudemodell tätig. Unsere Leistungen im BIM-Kontext für den deutschen Markt umfassen:
• Georeferenzierte Bestandsaufnahmen als Planungsgrundlage für BIM-Projekte (ETRS89/UTM, DHHN2016)
• Scan-to-BIM: Erstellung von As-Built-Modellen aus Punktwolkendaten nach VDI 2552 und ISO 19650
• IFC-Export aus BricsCAD BIM und ArchiCAD für Open-BIM-Workflows
• Qualitätssicherung: Abgleich von Soll- und Ist-Zustand (BIM-zu-Realität-Vergleich)
• Flächenermittlung nach DIN 277 — normgerechte BGF, NGF, NUF aus dem Bestandsmodell
• Bestandsdokumentation nach Eckstein-Genauigkeitsstufen III & IV für Denkmalpflege und Kulturgut
• Projekte für öffentliche Auftraggeber (Bund, Länder, Kommunen) nach BIM-Stufenplan
Mit über 50 Jahren Erfahrung in der Bestandsaufnahme und Projekten in mehr als 27 Ländern verfügt Linsinger ZT GmbH über die fachliche Tiefe, um komplexe BIM-Grundlagen auch für anspruchsvolle Vorhaben — historische Gebäude, Industrieanlagen, Infrastrukturprojekte — zuverlässig zu liefern.
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Praxishinweis: Für deutsche Bauprojekte mit BIM-Anforderungen empfiehlt sich die frühzeitige Definition der Auftraggeber-Informations-Anforderungen (AIA) sowie des BIM-Abwicklungsplans (BAP) gemäß VDI 2552 und ISO 19650. Linsinger ZT GmbH unterstützt Bauherren und Planer bei der Erstellung normkonformer Bestandsmodelle als BIM-Grundlage für den deutschen Markt — mit Niederlassung und Projekterfahrung in ganz Deutschland. |
Weiterführende Wiki-Einträge
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→ Terrestrisches Laserscanning → Scan-to-BIM → FARO SCENE |
→ BIM in Österreich (ÖNORM A 6241) → BIM in der Schweiz (SIA 2051) → DIN 277 · DIN 1356 · IFC-Format |