BIM — Detaillierungsgrade
BIM — Detaillierungsgrade LOD · LOG · LOI · LOIN | Level of Detail / Geometry / Information / Information Needs
BIM — Detaillierungsgrade
LOD · LOG · LOI · LOIN | Level of Detail / Geometry / Information / Information Needs
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Begriff |
Erläuterung |
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LOD |
Level of Detail / Level of Development — Geometrischer + inhaltlicher Gesamtdetaillierungsgrad |
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LOG |
Level of Geometry — Geometrischer Detaillierungsgrad (ÖNORM-Begriff) |
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LOI |
Level of Information — Alphanumerischer Informationsgehalt (Sachdaten, Parameter) |
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LOIN |
Level of Information Need — Informationsbedarf des Auftraggebers; definiert WELCHE Information WANN geliefert wird (ISO 19650) |
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Norm (AT) |
ÖNORM A 6241-1 und A 6241-2 |
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Norm (INT) |
ISO 19650 — Informationsmanagement über den BIM-Lebenszyklus |
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Relevanz Linsinger ZT |
Bestandsmodelle typischerweise LOD 300–400 | IFC-Export nach ISO 16739 |
1 Was ist LOD — Level of Detail / Development?
LOD (Level of Detail, in neuerer Verwendung auch Level of Development) beschreibt, wie vollständig ein BIM-Objekt zu einem bestimmten Projektzeitpunkt definiert ist — sowohl geometrisch als auch inhaltlich. Der Begriff wurde ursprünglich vom American Institute of Architects (AIA) geprägt und ist heute international gebräuchlich.
Im österreichischen Normungskontext (ÖNORM A 6241-2) wird LOD in die beiden Teilbegriffe LOG (geometrisch) und LOI (alphanumerisch) aufgeteilt. Diese differenzierte Betrachtung erlaubt eine präzisere Abstimmung zwischen Auftraggeber und Planer.
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Stufe |
Bezeichnung |
Beschreibung / Anwendung |
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LOD 100 |
Konzept |
Symbolische Darstellung, nicht maßstäblich. Massen und Volumen ohne genaue Abmessungen. Einsatz: Machbarkeitsstudien, frühe Entwurfsphase. |
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LOD 200 |
Vorentwurf |
Generische Bauteile mit ungefähren Abmessungen, Lage und Ausrichtung. Geometrie noch nicht maßgenau. Einsatz: Entwurfsplanung, Kostenschätzung. |
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LOD 300 |
Ausführungsplanung |
Maßgenaue Geometrie mit exakten Abmessungen, Lage und Ausrichtung. Quantitäten direkt aus dem Modell ableitbar. Einsatz: Ausführungsplanung, Mengenermittlung. |
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LOD 350 |
Koordination |
Wie LOD 300, zusätzlich Schnittstellen und Verbindungspunkte zu anderen Systemen. Einsatz: Fachmodell-Koordination, Kollisionsprüfung (Clash Detection). |
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LOD 400 |
Fertigung |
Fertigungsreife Geometrie inkl. Einbaudetails, Toleranzen und Montageinformationen. Einsatz: Werkstatt- und Fertigungsplanung. |
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LOD 500 |
As-Built |
Tatsächlich ausgeführter Bestand (As-Built-Modell). Alle Bauteile entsprechen dem realen Ist-Zustand. Einsatz: Bestandsdokumentation, FM, Betrieb. |
2 LOG — Level of Geometry
Der LOG (Level of Geometry) ist der österreichische ÖNORM-Begriff für den geometrischen Detaillierungsgrad eines BIM-Objekts. Er beschreibt ausschließlich die räumlich-geometrische Darstellung — also Form, Abmessung, Lage und Ausrichtung eines Bauteils im Modell.
Der LOG entspricht inhaltlich weitgehend dem LOD-Konzept (geometrische Dimension), ist jedoch von LOI (Sachdaten) bewusst getrennt. Diese Trennung erlaubt es, z. B. einen geometrisch einfach gehaltenen Wandkörper (LOG 200) dennoch mit vollständigen Materialkennwerten (LOI 300) auszustatten — je nach Projektanforderung.
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LOG-Stufe |
Geometrischer Inhalt |
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LOG 1 |
Symbol oder Platzhalter — keine reale Geometrie |
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LOG 2 |
Einfacher 3D-Körper mit ungefähren Abmessungen (Quader, Volumen) |
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LOG 3 |
Maßgenaue 3D-Geometrie, Lage und Ausrichtung korrekt; Aussparungen und Öffnungen enthalten |
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LOG 4 |
Fertigungsreife Detailgeometrie inkl. Anschlüsse, Verbindungsmittel, Toleranzen |
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LOG 5 |
As-Built-Geometrie: entspricht dem tatsächlich ausgeführten Bauzustand (Scan-to-BIM) |
Linsinger ZT GmbH liefert Bestandsmodelle (Scan-to-BIM) standardmäßig mit LOG 3–4, da die Punktwolkenbasis eine maßgenaue Modellierung ermöglicht. Für denkmalpflegerische Dokumentationen kann LOG 5 (verformungsgetreues As-Built) vereinbart werden.
3 LOI — Level of Information
Der LOI (Level of Information) beschreibt den alphanumerischen Informationsgehalt eines BIM-Objekts — also alle nicht-geometrischen Daten, die einem Bauteil zugeordnet sind: Materialien, Hersteller, technische Kennwerte, Kosten, Termine, Brandschutzklassen, Energiekennwerte und viele weitere Parameter.
LOI und LOG werden in der ÖNORM A 6241-2 getrennt geregelt und können für dasselbe Objekt unterschiedlich hoch sein. In der Praxis wird die LOI-Tiefe im BIM-Abwicklungsplan (BAP) projektspezifisch festgelegt.
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LOI-Stufe |
Informationstiefe |
Typische Inhalte |
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LOI 1 |
Minimale Information |
Bauteilbezeichnung, Typ-Klassifikation |
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LOI 2 |
Grundlegende Sachdaten |
Material, Funktion, grobe Kostenkennwerte |
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LOI 3 |
Planungsrelevante Daten |
Normbezug, U-Wert, Brandschutzklasse, Herstellerangaben, Artikelnummer |
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LOI 4 |
Fertigungs- und Montageinfos |
Einbauanleitung, Zulassungen, Wartungsintervalle |
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LOI 5 |
As-Built / FM-Daten |
Seriennummern, Einbaudatum, Garantieinformationen, Betriebsanleitungen, Sensor-IDs |
4 LOIN — Level of Information Need
LOIN (Level of Information Need) ist ein Begriff aus der ISO 19650 und beschreibt den Informationsbedarf des Auftraggebers — also WELCHE Information zu WELCHEM Zeitpunkt in WELCHER Form vom Auftragnehmer geliefert werden muss.
Im Unterschied zu LOD, LOG und LOI — die beschreiben, was im Modell ENTHALTEN ist — legt LOIN fest, was der Auftraggeber tatsächlich BENÖTIGT. Diese Unterscheidung ist entscheidend: Ein Modell kann geometrisch hochdetailliert sein (hoher LOG), aber der Auftraggeber braucht für seine Entscheidung vielleicht nur eine geringe Informationstiefe.
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LOIN-Komponente |
Beschreibung |
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Geometrischer Bedarf |
Welche geometrische Darstellungstiefe ist für den vorgesehenen Verwendungszweck notwendig? (entspricht LOG) |
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Alphanumerischer Bedarf |
Welche Sachdaten/Parameter werden für den Verwendungszweck benötigt? (entspricht LOI) |
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Dokumentationsbedarf |
Welche dokumentarischen Nachweise (Zertifikate, Prüfberichte, Pläne) sind beizustellen? |
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Zeitlicher Bedarf |
Zu welchen Projektmeilensteinen muss welche Information vorliegen? |
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Praxishinweis: LOIN im BIM-Abwicklungsplan (BAP) Der LOIN wird in den Auftraggeber-Informationsanforderungen (AIA) festgelegt und im BIM-Abwicklungsplan (BAP) konkretisiert. Linsinger ZT GmbH empfiehlt, LOIN bereits bei der Auftragsklärung zu definieren — um Über- oder Unterlieferung von Modellinhalten zu vermeiden. |
5 Zusammenhang LOD · LOG · LOI · LOIN
Die vier Begriffe ergänzen sich und bilden gemeinsam das System zur Qualitätssicherung von BIM-Modellinhalten:
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Begriff |
Norm / Ursprung |
Was wird beschrieben? |
Wer legt es fest? |
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LOD |
AIA / BIMForum (US/INT) |
Gesamtdetaillierungsgrad (Geo + Info) |
Auftraggeber im AIA |
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LOG |
ÖNORM A 6241-2 (AT) |
Geometrischer Detaillierungsgrad |
Auftraggeber / BIM-Manager |
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LOI |
ÖNORM A 6241-2 (AT) |
Alphanumerischer Informationsgehalt |
Auftraggeber / Fachplaner |
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LOIN |
ISO 19650 (INT) |
Informationsbedarf des Auftraggebers |
Auftraggeber (AIA/BAP) |
6 Länderspezifische Regelungen: AT · DE · CH
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Aspekt |
Österreich (AT) |
Deutschland (DE) |
Schweiz (CH) |
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Hauptnorm |
ÖNORM A 6241-1/-2 |
VDI 2552 Blatt 2 (Reifegrad) |
SIA 2051 |
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Terminologie |
LOG + LOI (getrennt) |
LOD / Informationsdichte |
Anlehnung an ISO 19650 / LOD |
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BIM-Pflicht |
Stufenweiser Rollout öff. AG |
Ab 2021 Stufenplan öff. AG |
Keine gesetzl. Pflicht, marktgetrieben |
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LOIN-Verankerung |
Über AIA/BAP nach ISO 19650 |
Über AIA (Auftragnehmer-Infoanforderungen) |
Über AIA/BAP nach SIA 2051 / ISO 19650 |
7 Anwendung bei Linsinger ZT GmbH
Als Ziviltechniker für Vermessungswesen liefert Linsinger ZT GmbH georeferenzierte Bestandsmodelle als verlässliche Ausgangsbasis für den gesamten BIM-Workflow. Die Detaillierungsgrade werden dabei projektspezifisch mit dem Auftraggeber abgestimmt:
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Projekttyp |
Typischer LOG |
Typischer LOI |
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Einfamilienhaus / Umbau |
LOG 3 (maßgenaue Geometrie) |
LOI 2–3 (Material, Funktion) |
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Hotel / Gewerbe |
LOG 3–4 |
LOI 3 (inkl. Flächenzuordnung ÖNORM B 1800) |
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Burg / Schloss / Kirche |
LOG 3–5 (verformungsgerecht) |
LOI 2–3 (Bauphase, Material, Denkmalschutz) |
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Industriehalle / Produktion |
LOG 3 |
LOI 3–4 (techn. Anlagen, FM-Daten) |
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Öffentlicher Auftraggeber (BIM-Pflicht) |
LOG 3–4 (per AIA/BAP) |
LOI 3–4 gemäß ÖNORM A 6241-2 und AIA |
Alle Modelle werden als IFC-Dateien (ISO 16739) exportiert und sind für den weiteren BIM-Workflow in Revit, ArchiCAD, BricsCAD oder anderen BIM-Authoring-Tools direkt nutzbar. Die Georeferenzierung erfolgt im nationalen Koordinatensystem (MGI / Bundesmeldenetz Österreich).
Linsinger ZT GmbH war beratend an der Erarbeitung der ÖNORM A 6240-2 (Bestandsaufnahme und Bestandsaufmaß) beteiligt und bringt diese normative Kompetenz in jeden Scan-to-BIM-Workflow ein.
8 Glossar
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Begriff |
Definition |
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AIA |
Auftraggeber-Informationsanforderungen — Dokument, in dem der AG seinen BIM-Informationsbedarf (LOIN) festlegt |
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BAP / BEP |
BIM-Abwicklungsplan (BAP, AT/CH) bzw. BIM Execution Plan (BEP, INT) — Antwortdokument des Auftragnehmers auf AIA |
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IFC |
Industry Foundation Classes (ISO 16739) — herstellerneutrales, offenes BIM-Austauschformat |
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Scan-to-BIM |
Prozess der Modellierung eines BIM-Modells aus einer Laserscanning-Punktwolke |
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Punktwolke |
Digitales 3D-Abbild eines Objekts aus Millionen von Messpunkten (X/Y/Z + Intensität/Farbe) |
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As-Built |
Tatsächlich ausgeführter Zustand eines Bauwerks — entspricht LOD 500 / LOG 5 |
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Clash Detection |
Kollisionsprüfung zwischen Fachmodellen im BIM-Koordinationsmodell |
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Weiterführende Wiki-Einträge → BIM in Österreich → ÖNORM A 6241 → Scan-to-BIM → IFC-Format → FARO Laserscanning → NavVis VLX |
Linsinger ZT GmbH Ziviltechniker für Vermessungswesen 5600 St. Johann im Pongau · Salzburg www.linsinger-zt.at |