Bestandsaufmaß einer Burg
Bestandsaufmaß einer Burg – präzise 3D-Dokumentation historischer Bausubstanz für Denkmalschutz und Restaurierung
Bestandsaufmaß einer BurgMethoden · Ablauf · Besonderheiten |
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Kategorie |
Kulturgutvermessung / Bestandsaufnahme |
Methoden |
TS · Laserscanning · UAV |
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Schwierigkeitsgrad |
Hoch – komplexe Geometrie, Schäden, Zugänglichkeit |
Ergebnis |
Punktwolke, Pläne, BIM/IFC |
1 Aufgabenstellung & Besonderheiten
Das Bestandsaufmaß einer Burg zählt zu den anspruchsvollsten Aufgaben in der Vermessung historischer Bausubstanz. Burgen weisen eine Kombination aus unregelmäßigen Grundrissen, mehrdimensionaler Vertikalentwicklung, starker Verwitterung und eingeschränkter Zugänglichkeit auf, die den Einsatz mehrerer komplementärer Messtechniken erfordert.
Zentrale Herausforderungen im Überblick:
• Keine orthogonalen Geometrien – organisch gewachsene Mauern, Türme und Höfe
• Historische Schichtungen – Bauphasen aus unterschiedlichen Epochen überlagern sich
• Zugänglichkeit – Keller, Gewölbe, Dachstuhl, steile Außenbereiche
• Dokumentationspflicht – denkmalpflegerische Anforderungen an Genauigkeit und Vollständigkeit
• Schadenserfassung – Risse, Ausbrüche, Verformungen müssen lagegenau erfasst werden
2 Messtechnische Methoden
2.1 3D-Laserscanning (Terrestrisches Scanning)
Das terrestrische Laserscanning ist die Kernmethode für das Innenaufmaß. Es liefert flächendeckende Punktwolken aller zugänglichen Räume mit Genauigkeiten im Millimeterbereich. Typische Einsatzbereiche sind Mauerwerksflächen, Gewölbe, Keller und Türme. Mehrere Scan-Standpunkte werden über Targets oder Cloud-to-Cloud-Registrierung zu einem Gesamtmodell zusammengeführt.
2.2 UAV-Photogrammetrie (Drohne)
Außenfassaden, Dächer, Türmauern und weitläufige Ruinenbereiche werden per Drohnenbefliegung erfasst. Aus den Luftbildern entsteht ein texturiertes 3D-Mesh oder eine dichte Punktwolke, die mit dem Laser-Scan-Datensatz verschnitten wird. Besonders wertvoll bei schwer begehbaren Außenbereichen und für die Gesamtdokumentation des Burgareals.
2.3 Tachymetrische Ergänzungsmessung
Für Passpunkte, Festpunkte und die geodätische Einbindung in Lage/Höhe (z.B. MGI/Bundesmeldenetz) wird ein Tachymeter eingesetzt. Kontrollpunkte sichern die absolute Genauigkeit des Gesamtdatensatzes.
3 Projektablauf
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Phase |
Schritt |
Inhalt |
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1 |
Vorerkundung |
Historische Pläne, Archivrecherche, Ortstermin, Beflugsgenehmigung (LFZ-Registrierung bei Kulturgütern) |
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2 |
Netzmessung |
Aufbau Festpunktfeld, tachymetrische Einmessung der Scanstandpunkte und UAV-GCPs |
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3 |
Laserscanning |
Terrestrisches Scanning aller Innen- und zugänglichen Außenbereiche; Cloud-to-Cloud-Registrierung |
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4 |
UAV-Befliegung |
Nadir + Schrägaufnahmen Außenfassaden und Gesamtareal; PPK-/RTK-Georeferenzierung |
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5 |
Datenprozessing |
Registrierung, Klassifizierung, Qualitätskontrolle der Punktwolken; SfM-Processing der UAV-Bilder |
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6 |
Planerstellung |
Schnitte, Grundrisse, Ansichten aus der Punktwolke; ggf. BIM-Modell (IFC) in ArchiCAD |
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7 |
Übergabe |
Punktwolke (E57/LAS), Pläne (DWG/DXF/PDF), Bericht, optionaler 3D-Viewer-Link |
4 Liefergegenstände & Genauigkeiten
Je nach Aufgabenstellung und Auftraggeber (Denkmalpflege, Architektur, Eigentümer) variieren die Liefergegenstände. Typische Genauigkeitsanforderungen bei der Burgvermessung liegen im Bereich ±3–10 mm für Detailpläne und ±5–20 mm für den Gesamtdatensatz.
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Ergebnis |
Format |
Typische Verwendung |
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Registrierte Punktwolke |
E57, LAS/LAZ |
Basis für alle Folgeauswertungen |
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Texturiertes 3D-Mesh |
OBJ, FBX, Cesium 3D Tiles |
Visualisierung, Web-Viewer |
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Grundrisse / Schnitte / Ansichten |
DWG, DXF, PDF |
Planung, Denkmalpflege |
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BIM-Modell |
IFC, ArchiCAD |
Sanierungsplanung, FM |
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Orthofoto / Orthoplan |
GeoTIFF, DXF |
Fassadenplan, Schadenskartierung |
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Linsinger ZT GmbH · St. Johann im Pongau · Bestandsaufnahme & Kulturgutvermessung · www.linsinger-zt.at |